1:2 gegen Tschechien: EM-Aus nach der Vorrunde

1:2 gegen Tschechien: EM-Aus nach der Vorrunde
1:2 gegen Tschechien: EM-Aus nach der Vorrunde
Bernd Schneider (r) und Jens Nowotny verlassen in Lissabon enttäuscht den Platz.

Lissabon (dpa) – Vize-Weltmeister Deutschland hat sich gegen Tschechiens B-Team als Lachnummer von der EURO 2004 verabschiedet. Genau wie vor vier Jahren schied die Nationalelf mit dem 1:2 (1:1) in Lissabon sieglos aus dem EM-Turnier aus.

Zwei Jahre vor der WM im eigenen Land ist sie an einem erneuten sportlichen Tiefpunkt angelangt. Auch ein 30-minütiger Sturmlauf nach der Pause konnte nicht darüber hinweg täuschen, dass das Team von Rudi Völler völlig verdient die vorzeitige Heimreise antreten muss. Bei der EURO 2000 in Rotterdam hatte ein 0:3 im letzten Gruppenspiel gegen Portugals zweite Garnitur den EM-K.o bedeutet.

Zwar brachte der engagiert und überzeugend aufspielende Michael Ballack (21.) die deutsche Elf vor 50 000 Zuschauern im Estadio Jose Alvalade in Führung, doch dann besiegelten der Ex-Hamburger Marek Heinz (30.) und der eingewechselte Milan Baros (77.) mit seinem dritten Turnier-Tor den K.o. des dreifachen Europameisters, der seinen letzten Endrundensieg 1996 in England gefeiert hatte. Während die Tschechen am 27. Juni im Viertelfinale auf Dänemark treffen, tritt das DFB-Team jetzt von Faro aus den Heimflug an.

«Die Enttäuschung ist natürlich riesengroß. Das ist zwar nicht so dramatisch wie vor vier Jahren. Diesmal sind ein paar jüngere Spieler mit Perspektive dabei. Aber wir sind ausgeschieden, das ist bitter», sagte Rudi Völler, der seiner Mannschaft bescheinigte, in Portugal «nur zum Teil guten Fußball gespielt» zu haben. Trotz der bitteren Enttäuschung denkt der Teamchef nicht an einen vorzeitigen Abschied: «Ich habe Vertrag bis 2006 und gehe eigentlich davon aus, dass es weitergeht.» Für den enttäuschten Torschützen Ballack waren die fehlenden Tore das Manko des deutschen Spiels: «Dass wir keine Tore schießen, ist unser großes Problem. Wir haben engagiert gespielt, aber es hat nicht gereicht. Wir müssen arbeiten und sehen, dass wir im Hinblick auf die WM 2006 eine gute Mannschaft kriegen.»

Die deutsche Mannschaft wollte zwar, aber sie konnte nicht. Gegen die Tschechen, die von Coach Karel Brückner auf nicht weniger als neun Positionen verändert wurden, fehlten wieder einmal die spielerischen Mittel. Die Völler-Elf begann ängstlich und gehemmt und konnte die Nervosität auch nach dem Sonntagsschuss von Ballack, der die erste gelungene Angriffsaktion erfolgreich abschloss, nicht ablegen. Akzente im Mittelfeld setzten allein Ballack, der sich immer wieder bemühte, überall präsent zu sein, und Schweinsteiger. Allerdings unterliefen dem Münchner auch zahlreiche Fehler. In der Spitze konnte sich Kevin Kuranyi gegen die tschechische Übermacht nicht behaupten. Schon vor der Halbzeit forderte ein Großteil der 15 000 deutschen Fans im Stadion lautstark den Kölner Lukas Podolski als zweiten Stürmer.

Völler erhörte den Anhang und brachte den 19-jährigen Kölner, der Lothar Matthäus als jüngsten deutschen EM-Spieler aller Zeiten ablöste, mit Wiederbeginn für den erneut enttäuschenden Torsten Frings. Mit dem mutig nach vorne spielenden Podolski gewannen die Aktionen deutlich an Schwung. Die Mannschaft erspielte sich nun auch klare Chancen, die jedoch allesamt ungenutzt blieben. Die größte Möglichkeit verpasste Bernd Schneider (66.), der den Ball nach einem Pfostenschuss von Ballack nicht an Tschechiens Ersatzkeeper Jaromir Blazek vorbei brachte. Danach wurde ein Kopfball von Christian Wörns auf der Linie pariert (72.), ein Podolski-Schuss abgeblockt. Mitten in deutsche Drangperiode hinein platzte das 1:2 durch Baros, der sich gegen Jens Nowotny und Christian Wörns durchsetzte.

Die Auswechslung zur Pause hatte der Teamchef zugleich genutzt, um einen Fehler bei der Abwehrformation zu korrigieren, die sich 45 Minuten lang als Dreier-Kette ausgesprochen löchrig erwiesen hatte. Während Wörns den künftigen Bochumer Vratislav Lokvenc recht gut im Griff hatte, wirkten Nowotny und Arne Friedrich häufig desorientiert. Nach der Pause ging Philipp Lahm zurück und machte die Abwehr wieder zur Viererreihe. In dieser Rolle zeigte der Stuttgarter deutlich mehr Wirkung und wurde wieder zum energischen Antreiber.

Bereits nach vier Minuten hatte die deutsche Mannschaft die erste Schrecksekunde zu überstehen, als der künftige Bochumer Vratislav Lokvenc einen Freistoß Richtung Tor verlängerte. Mit letztem Einsatz konnte Oliver Kahn den frei vor ihm stehenden Martin Jiranek am Einschuss hindern. Erst nach 20 Minuten geriet das tschechische Tor zum ersten Mal in Gefahr, als Kuranyi den Ball für Ballack auflegte und dessen abgefälschter Schuss daneben ging. Nach dem folgenden Eckball leitete eine Ballstafette über Schneider und Schweinsteiger das deutsche 1:0 ein, das Ballack mit Linksschuss aus 16 m erzielte.

Neun Minuten später führte einer der zahlreichen von der deutschen Abwehr fahrlässig in Strafraumnähe verursachten Freistöße zum Ausgleich. Heinz, der seine Freiheiten immer wieder Gefahr bringend nutzte, zirkelte den Ball aus 25 Metern unhaltbar für Kahn in den Torwinkel. 60 Sekunden nach Wiederanstoß hätte ein kapitaler Schnitzer von Nowotny beinahe sogar zum Rückstand geführt, doch Kahn war gegen Lokvenc auf dem Posten.