Werder im Finale – Lobeshymnen für VfB

Werder im Finale – Lobeshymnen für VfB
Werder im Finale - Lobeshymnen für VfB
Der Bremer Ailton jubelt über sein Tor zum 2:2.

Bremen (dpa) – Das Kontrast-Programm zwischen Freud und Leid hätte im Weserstadion nicht größer sein können. Hier die strahlenden Sieger des SV Werder Bremen, die den Kopf nach einer Zitterpartie wieder einmal in der Verlängerung aus der Schlinge gezogen haben und weiter vom Double träumen dürfen.

Dort die verhinderten Pokal-Helden des Zweitligisten VfB Lübeck, denen nur zehn Minuten zur Halbfinal- Sensation fehlten. Nach dem 2:3 (1:1, 1:0) sanken die tieftraurigen Lübecker auf den Rasen und trauerten hemmungslos weinend der verpassten Chance hinterher, während sich die glücklichen Sieger über die achte Final-Teilnahme am 29. Mai in Berlin freuen durften.

Der souveräne Bundesliga-Spitzenreiter stand nach einem Eigentor von Mladen Krstajic (11.) und dem 1:2 durch Ferydoon Zandi (94.) am Rande einer Blamage und schaffte durch Johan Micoud (54.) sowie Ailton und Valdez wieder einmal die Wende erst kurz vor dem Ende. Ein Zeichen des großen Selbstvertrauens und der guten Moral, wie Sportdirektor Klaus Allofs meinte. «Die Mannschaft will sich einfach nicht damit abfinden, als Verlierer vom Platz zu gehen. Das haben auch die Last- Minute-Siege in der Vergangenheit gezeigt.»

Es war eine Zitterpartie, die nicht nur Werder-Trainer Thomas Schaaf nervlich geschafft hatte. Über die schwache Leistung seiner Mannschaft wollte er sich denn auch kaum auslassen. Dafür sprach er über die «sensationelle Unterstützung durch die Fans», die «nicht einmal gepfiffen haben», und über die Leistung des Gegners, der «überragend gespielt und uns alles abverlangt» habe. Was für Schaaf letztlich zählte, war der Einzug ins Finale.

Rosige Zeiten sind für Werder schon jetzt angebrochen. Der Einzug ins Endspiel bringt den Hanseaten über zwei Millionen Euro ein. «Als wir zurücklagen, sah ich schon das Schreckensszenario», sagte Allofs. «Uns wäre sehr, sehr viel Geld durch die Lappen gegangen.» Berlin soll erst der Anfang sein: 3,7 Millionen Euro winken für die Qualifikation der Champions League, in den Gruppenspielen wird dort jeder Sieg mit 340 000 Euro entlohnt und jedes Unentschieden bringt die Hälfte in die Kasse.

Der sportliche Erfolg und der daraus folgende Geldsegen gibt den solide wirtschaftenden Hanseaten noch mehr Planungssicherheit. Deshalb kündigte Allofs an, dass es nach Miroslav Klose, Frank Fahrenhorst (VfL Bochum) und Gustavo Nery (Sao Paulo) weitere Neuverpflichtungen geben werde. Noch wichtiger aber ist für Allofs der sportliche Wert des Last-Minute-Sieges gegen Lübeck im Hinblick auf den Meisterschafts-Endspurt und das Pokal-Finale: «So etwas gibt enorm viel Selbstvertrauen. Wir sind gut aufgestellt.»

Für den couragierten Zweitliga-15. brach eine Welt zusammen, als erst Ailton (111.) und drei Minuten später Nelson Valdez aus einer 2:1-Führung eine 2:3-Niederlage machten. Da nutzten ihnen alle Lobeshymnen wenig, wie Dieter Hecking meinte. Kaum zu beruhigen war der Trainer nach dem Schlusspfiff, weil er sich und seine Mannschaft von Schiedsrichter Lutz-Michael Fröhlich um den verdienten Lohn gebracht sah.

«Vor dem 2:3 war bei einem Werder-Spieler die Hand im Spiel», schimpfte er. Dennoch schöpfte der Coach Mut für den Abstiegskampf. «Wir haben gegen die beste deutsche Mannschaft gezeigt, dass wir mithalten konnten. Die Spieler haben Wort gehalten und eine Riesenpartie abgeliefert. Das Herz haben wir heute gehabt, das Glück leider nicht.» Stürmer Daniel Thioune: «Wir haben unglücklich verloren, doch dieses Spiel muss uns einen Schub geben, dann erhalten wir auch die Klasse.»