Schicksalsduell für Real Madrid und Coach Lopetegui

Schicksalsduell für Real Madrid und Coach Lopetegui
Bildhinweis: Steht bei Real Madrid unter Druck: Coach Julen Lopetegui. Foto: Manu Fernandez

Barcelona (dpa) – Die Lage bei Real Madrid ist mehr als nur ernst – und der 272. Clásico wird für Trainer Julen Lopetegui schon früh in der Saison zum Endspiel.

Der Job des 52-Jährigen beim kriselnden Champions-League-Sieger «hängt am seidenen Faden», schrieb die Madrider Sportzeitung «AS». Nach fünf Spielen in Serie ohne Sieg hatten die Königlichen am Dienstag beim 2:1 in der Königsklasse gegen Viktoria Pilsen einen schwachen Eindruck hinterlassen. Die Fans im Bernabéu verabschiedeten Toni Kroos & Co. mit einem Pfeifkonzert, der Ex-Weltmeister beteuerte trotzdem: «Wir sind nicht nervös. Wir haben schon andere komplizierte Situationen durchgemacht.»

Aber es geht am Sonntag (16.15 Uhr) gegen den formstarken FC Barcelona nicht nur um die Zukunft von Lopetegui. Für Madrid hat das Duell zwischen den spanischen Giganten am zehnten Spieltag auch schon fast vorentscheidende Bedeutung im Kampf um den 34. Ligatitel des Clubs. Im Falle einer Niederlage im Camp Nou würde der Abstand auf den Tabellenführer und Titelverteidiger aus Katalonien mit Marc-André ter Stegen im Tor nämlich auf sieben Punkte wachsen. Und der derzeitige Siebte der Primera División könnte von acht Teams über- oder eingeholt werden.

Real sei «auf der Intensivstation», schrieb «AS». Dass es nach einem knappen Jahrzehnt der erste Clásico sein wird, bei dem man keinen der beiden Dauer-Weltfußballer auf dem Platz sehen wird, weder den von Real zu Juventus abgewanderten Cristiano Ronaldo noch den verletzten Barça-Star Lionel Messi, wird angesichts der Krise zur Nebensache.

Im Mittelpunkt steht Lopetegui. Und zum Coach wurden dieser Tage vielen Spieler von Journalisten befragt. «Er versucht zur Zeit alles», erzählte Marcelo. «Wir wollen alle, dass er bleibt. Er ist ein guter Trainer», versicherte Kroos im «AS»-Interview, obwohl er am Wochenende beim 1:2 gegen UD Levante auf die Bank verbannt und auch nicht eingewechselt wurde. Die Quittung dafür, spekulieren Medien, dass Kroos zuvor seinen Frust wegen seiner zuletzt defensiveren Rolle im Mittelfeld offen ausgesprochen und «Ich bin kein Casemiro» gesagt hatte. Am Sonntag soll der Ex-Bayernprofi von Anfang an spielen.

Fest steht auf jeden Fall, dass alles andere als ein Sieg der Hausherren am Sonntag eine Überraschung wäre. Auch ohne Messi, der sich am vorigen Sonntag im Topduell gegen den FC Sevilla (4:2) nach einem Zweikampf mit Franco Vázquez den rechten Unterarm brach und mindestens noch zwei weitere Wochen zuschauen wird.

Der Argentinier war zwar diese Saison bisher an zwei Drittel aller Treffer seines Teams beteiligt. Beim überzeugenden 2:0-Erfolg am Mittwoch im Champions-League-Duell gegen Inter Mailand zeigten seine Kameraden, dass sie auch ohne den «Floh» Spitzenfußball spielen können. Besonders gut war gegen die Italiener ausgerechnet Rafinha. Der Bruder von Bayern-Profi Thiago schoss sogar ein Tor.

Das Fehlen von Messi könnte für Real dennoch eine Chance bedeuten. Und für Lopetegui. Der sei noch da, weil Clubboss Florentino Pérez noch keinen Ersatz gefunden habe und B-Team-Coach Santiago Solari, der als möglicher Nachfolger gehandelt wird, nicht ausgerechnet beim schwierigen Clásico seinen Einstand feiern sollte. Lopetegui, der als Nationaltrainer wegen seiner Einigung mit Real kurz vor Beginn der WM vor die Tür gesetzt worden war, kann wohl nur durch einen Sieg in Barcelona einen neuen Hinauswurf verhindern.

Aber viele fürchten, dass er das Schicksal von Rafa Benítez erleiden wird. Der wurde Ende 2015 nur wenige Wochen nach einem 0:4 gegen Barça und nach nur wenigen Monaten im Amt als Real-Trainer gefeuert. Für ihn kam B-Team-Coach Zinedine Zidane. Die abergläubischsten unter den Madrid-Fans denken nun gern zurück und setzen bei den vielen Parallelen auf den als Chefcoach unerfahrenen Solari – denn mit dem damaligen Trainer-Neuling Zidane holte man ja drei Champions-League-Titel in Serie.

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