Mourinhos Häme: «Aus Freude und Wut explodiert»

Mourinhos Häme: «Aus Freude und Wut explodiert»
Bildhinweis: Mittendrin statt nur dabei: ManUnited-Coach Jose Mourinho (M). Foto: Alessandro Di Marco/ANSA

Turin (dpa) – Was für eine Genugtuung. José Mourinho läuft über das Feld, hält seine rechte Hand an sein Ohr, verzieht das Gesicht so stark, als ob es auch die Juventus-Fans auf dem hintersten Rang sehen sollen.

Mit Manchester United hat der Portugiese gerade Italiens Fußball-Rekordmeister die erste Saison-Niederlage zugefügt und sich selbst ein famoses Comeback beschert. Doch statt zu jubeln, provoziert Mourinho am Mittwochabend. Aus Sicht des 55-Jährigen nur eine Reaktion auf 90 Minuten Beleidigungen durch die Juve-Fans.

«Beleidigend war, was sie (die Fans) mit mir gemacht haben», sagte Mourinho nach dem 2:1 (0:0) bei Juventus Turin. «Das», und er hielt sich wieder die Hand ans Ohr, «ist keine Beleidigung. Das bedeutet: Ich will ein bisschen mehr hören.» Wenn er einen kühlen Kopf gehabt hätte, wäre er womöglich direkt nach Hause gegangen.

«The Special One» ist berüchtigt für seine Gereiztheit, Konfliktbereitschaft, Wutausbrüche. Der «Corriere dello Sport» nennt ihn am Donnerstag nicht umsonst «Provokateur Mourinho». Doch schon im Hinspiel wurde Mourinho von den Juve-Anhängern geärgert. Als Antwort streckte er drei Finger in die Luft und weckte ungute Erinnerungen bei den Fans: 2010 hatte Mourinho mit Inter Mailand das Triple aus Champions League, Meisterschaft und Pokal geholt.

«Mourinho ist der Erzfeind, der, der die Bianconeri, ihren Trainer, die Spieler mit Lob überschüttet hat, aber die Vergangenheit vergisst man nicht», schreibt die «Gazzetta dello Sport». Und zum Verhalten des Coaches fügt das Blatt hinzu: «José Mourinho ist seit jeher so und am Ende ist er aus Freude und Wut explodiert.»

Den Juve-Profis konnte das nicht gefallen. Leonardo Bonucci kam mit Paulo Dybala auf Mourinho zu und redete auf ihn ein. «Ich trainiere Manchester, ich denke nicht an meine Vergangenheit bei Inter oder Real. Sie sind es, die nicht vergessen können», sagte Mourinho später in Richtung der Fans.

Die Gastgeber, die Man United eigentlich klar überlegen waren, müssen die überraschende Heimniederlage nun aufarbeiten. «Die Lektion ist klar und könnte in Zukunft nützlich werden. Die Champions League erlaubt keine Zerstreutheit», schreibt der Club auf seiner Homepage. «Es ist richtig, von dem Ergebnis enttäuscht zu sein, aber (wir können) optimistisch sein wegen dem, was wir auf dem Feld zeigen», schrieb Juve-Coach Massimiliano Allegri auf Twitter. «Wenn wir die kleinen Dinge verbessern, werden wir bald wieder auf den richtigen Weg kommen.»

Mit seinem Volleyschuss legte Cristiano Ronaldo in der 65. Minute laut italienischen Medien ein «Meisterwerk» hin. Juan Mata glich die Führung in der 86. Minute aus, ehe die Engländer von einem Eigentor von Turins Alex Sandro (90.) profitierten. In der Tabelle liegt United nun zwei Zähler hinter Spitzenreiter Juve auf Rang zwei und hat gute Chancen auf den Achtelfinaleinzug.

Der «Telegraph» sprach von einem «wunderbaren Comeback». «Das Spiel war ein sehr gutes Spiel, ein Spiel auf höchstem Niveau», resümierte Mourinho bei BT Sport. «Das Ende spielt keine Rolle.»

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