Milan bejubelt krönenden Abschluss einer grausigen Saison

Milan bejubelt krönenden Abschluss einer grausigen Saison
Milan bejubelt krönenden Abschluss einer grausigen Saison
Mailands Trainer Carlo Ancelotti wird von seinen Spielern in die Luft geworfen.

Mailand (dpa) – Der Meister AC Mailand war grandios, die Fußball-Saison in Italien grausig. Mit der Rekordpunktzahl von 79 Zählern holten sich die überragenden Mailänder schon zwei Spieltage vor dem Ende der Serie A mit einem 1:0-Sieg gegen AS Rom (70) zum 17. Mal den «Scudetto».

70 000 «Milanisti» feierten nach einem turbulenten Titelfinale im Giuseppe-Meazza-Stadion, Zehntausende bejubelten Milan auf dem in ein rotschwarzes Fahnenmeer getauchten Domplatz. Als gegen Ende des Spitzenspiels strömender Regen einsetzte, schien es fast, als solle damit eine bis zur letzten Sekunde von Fan-Randale, Finanzskandalen und Manipulationsvorwürfen befleckte Saison rein gewaschen werden.

Selbst das große Finale wurde von randalierenden Roma-Fans und Schiebungs-Vorwürfen überschattet, weil Schiedsrichter Domenico Messina einen fälligen Handelfmeter in der 49. Minute für die Römer beim Zwischenstand von 1:0 übersah. «Der Elfmeter hätte das Spiel gedreht», schimpfte Roms Trainer Fabio Capello. Einige der Roma-Fans reagierten auf die Fehlentscheidung mit Feuerwerkskörpern und Wurfgeschossen. Die Mailänder Gennaro Gattuso und Torwart Dida gingen getroffen zu Boden, konnten aber weiterspielen. «So muss Rom wieder mal für eine Hand voll Dummköpfe bezahlen», klagte Capello, dessen Club mit einer Platzsperre rechnen muss.

Die Mailänder ließen sich von der Fan-Randale nicht aus der Fassung bringen und gewannen hoch verdient durch das Blitztor von Andrej Schewtschenko in der zweiten Minute auf Vorlage des überragenden Kaka. «Fünf Jahre habe ich auf diesen Titel gewartet», jubelte der ukrainische Torschütze, der mit 22 Toren auch kurz vor dem Gewinn der Torjägerkrone steht. Zuletzt hatte Milan 1999 mit Ex- Nationalmannschaftskapitän Oliver Bierhoff die Meisterschaft feiern können. Titelverteidiger Juventus Turin (63) ist als Tabellendritter entmachtet, und der AC Parma (55), Inter Mailand (53) und Lazio Rom (53) kämpfen nur noch um verbleibenden Platz für die Champions- League-Qualifikation.

«Ich bin sehr glücklich», erklärte Milan-Besitzer und Ministerpräsident Silvio Berlusconi auf der Tribüne recht verhalten. Vize-Präsident Adriano Galliani dagegen fand blumigere Worte, als er «die Magie dieses AC Milan» bejubelte. Für Trainer Carlo Ancelotti zauberte er gleich noch einen Rentenvertrag hervor. «Ich hoffe, er bleibt noch 20 Jahre», sagte Galliani. Vom «Ewigen Zweiten» mutierte der etwas farblose Trainer durch den Champions-League-Sieg im letzten Jahr und seinen ersten Meistertitel jetzt zum Star-Trainer.

«Milan ist im Himmel», titelte die «La Gazzetta dello Sport» und lobte den «hoch verdienten Meister, dessen Rekordpunktzahl 100 Jahre Bestand haben wird». Besonderes Lob bekamen neben Kaka und Schewtschenko vor allem Milans Oldies: Kapitän Paolo Maldini (35) und Alessandro Costacurta (38), die beide ihren siebten Meistertitel mit Milan feierten. Milans allmächtiger Vereinsboss hat derweil schon die Weichen für den nächsten Triumph gestellt. «Berlusconi hat Geld für zwei weitere Stars bereitgestellt», verriet Galliani. Das neue Ziel heißt: «Rückeroberung des Champions-League-Titels.»