Italien rätselt über Baggio-Comeback

Italien rätselt über Baggio-Comeback
Italien rätselt über Baggio-Comeback
Roberto Baggio (M) wid von seinen Nationalmannschafts-Kollegen empfangen.

Genua (dpa) – Abschiedsspiel für einen Fußball-Opa oder Comeback eines Routiniers? Roberto Baggios Rückkehr in die Nationalmannschaft hat in Italien vor dem Länderspiel gegen Spanien in Genua wilde Spekulationen ausgelöst.

Will Nationaltrainer Giovanni Trapattoni dem lange verschmähten «Codino» (Zöpfchen) zum angekündigten Karriereende nur ein besonderes Abschiedsgeschenk machen, oder aber will er den 37-Jährigen doch als Joker für Portugal testen? Baggio jedenfalls ist zu allem bereit, nachdem sich auch noch seine leichte Oberschenkelverletzung als harmlos herausstellte.

Fünf Jahre nach seinem Rücktritt will der frühere Weltfußballer des Jahres nochmal zurück auf die ganz große Fußballbühne. «Er glaubt an seine EM-Chance», verriet seine Frau Andreina. Und das Team nahm ihn mit offenen Armen auf. «Kein Problem», meint Teamkollege Andrea Pirlo. «Warum auch, Robi ist ein großartiger Fußballer», sagt Christian Panucci, der Baggio «völlig zurecht im Rampenlicht» sieht.

In Abwesenheit der für das Meisterschaftsfinale geschonten Stars vom AC Mailand und AS Rom, stiehlt Baggio allen anderen «Azzurri» die Show. Die Industrie schlachtet sein Comeback genüsslich aus: Die «La Gazzetta dello Sport» verkauft unter dem Titel «Alle seine Wunder» ein Video mit seinen Serie A-Toren, sein Schuh-Hersteller lässt ihn mit einem azurblauen Sondermodell mit den eingravierten Namen seiner Kinder und buddhistischen Zeichen auflaufen und in der Rückennummer 10 seines eigens entworfenen Trikots steht «Grazie Roberto».

Der Trubel ist kein Wunder, schließlich ist der bekennende Buddhist in Italien eine Legende. In 55 Spielen für die «Squadra azzurra» hat er 27 Tore erzielt. In der laufenden Saison traf er für Brescia Calcio elf Mal. «Baggio ist der bester Fußballer der letzten 60 Jahre», sagt sein Club-Präsident Gino Corrioni, der den Stürmer holte, als ihn kein Top-Club mehr wollte. Sein berühmtes «göttliches» Zöpfchen ist längst ab, seine Haare sind ergraut. Dennoch traut ihm auch der «Corriere dello Sport» noch zu, in Portugal eine wertvolle Alternative zu Christian Vieri, Alessandro Del Piero und Antonio Cassano zu sein.

Mit Baggios Fans hofft auch seine Mutter Matilde, die «immer noch darunter leidet, dass man Roberto den verschossenen Elfmeter bei der Weltmeisterschaft 1994 nie verziehen hat». Damals verlor Italien deshalb das Finale gegen Brasilien. Dass die «Azzurri» dieses Finale aber vielleicht nur seinetwegen erreicht hatten, geriet in Vergessenheit. Genauso wie die über 200 Serie A-Tore. Mit einem späten EM-Erfolg könnte Baggio sein 1994 entstandenes Image als tragischer Verlierer abstreifen und als großer Gewinner abtreten.