Freiers Weg führt auf die Ersatzbank

Freiers Weg führt auf die Ersatzbank
Freiers Weg führt auf die Ersatzbank
Paul Freier läuft bei seinem ersten Bayer-Training vor dem Vereinswappen her.

Leverkusen/Ostrau (dpa) – Er kam als Nationalspieler und teuerster Neueinkauf der Saison, doch den hohen Erwartungen konnte Paul Freier bislang nicht gerecht werden.

Die ersten Auftritte des für rund drei Millionen Euro Ablöse vom VfL Bochum zu Bayer Leverkusen gewechselten Offensivspielers verliefen enttäuschend. «Ich habe mit ihm schon das Gespräch gesucht. Er setzt sich viel zu sehr unter Druck und muss sich bei uns einem gesunden Konkurrenzkampf stellen», sagte Bayer-Coach Klaus Augenthaler. Zudem plagen den 25 Jahre alten Hoffnungsträger immer wieder Verletzungen, die ihn sogar um die Teilnahme an der Fußball-EM brachten. Zuletzt hatte Freier mit Adduktorenproblemen zu kämpfen.

Obwohl Freier nur mit Schmerzmitteln spielen konnte, setzte Augenthaler in den ersten wichtigen Partien auf den schnellen und dribbelstarken Außenspieler, tat ihm damit aber keinen Gefallen. Freier wirkte gehemmt, gewann kaum einen Zweikampf. «Nach meiner Verletzung musste ich mir das Selbstvertrauen erst wieder erarbeiten», meinte Freier. Schließlich wurde ihm dann auf der rechten Seite auch noch Linksfuß Jacek Krzynowek vor die Nase gesetzt, der Ex-Bochumer landete auf der harten Ersatzbank. «Paul Freier bekommt bei uns jede Unterstützung, die er braucht. Aber die Leistung muss er selbst bringen», meinte Augenthaler.

«Ich probiere mein Bestes, aber ich weiß auch, dass ich die hohen Erwartungen noch nicht erfülle», sagte Freier, der zudem mit seiner neuen Rolle im Team zurecht kommen muss. In Bochum hatte der Nationalspieler, der vor wenigen Tagen zum zweiten Mal Vater wurde, auf der rechten Seite in Sören Colding einen defensiven Spieler in der Vierer-Abwehrkette hinter sich. In Leverkusen muss er die Außenseite komplett allein abdecken, weil Augenthaler die Dreier-Kette favorisiert. «Da muss ich mich erst einmal einarbeiten», meinte der Profi. Dass ihn der neue Bundestrainer Jürgen Klinsmann noch nicht in sein Aufgebot berief, kann Freier nachvollziehen: «Wenn ich im Verein gute Leistungen bringe, wird auch die Nationalmannschaft wieder ein Thema sein.»

Auf dem angepeilten Weg zu alter Klasse kann er auf die Hilfe der neuen Mitspieler bauen. «Ich kenne das Gefühl zu gut», sagte der brasilianische Torjäger Franca, der nach seinem ersten Jahr unter dem Bayer-Kreuz schon als Fehleinkauf abgestempelt wurde. «Aber bei mir war die Situation ein bisschen anders. Paul Freier war schon lange in Deutschland, ich kam aus Brasilien. Aber ich werde ihm helfen, dass er wieder Selbstvertrauen bekommt», meinte Franca. Auch Augenthaler stellt sich schützend vor seinen neuen Offensivspieler. Als die Zuschauer Freier im Champions-League-Hinspiel gegen Ostrau in der BayArena auspfiffen, nahm der Coach seinen frustrierten Spieler vom Platz. «Wir müssen ihn da jetzt rausholen», sagte Augenthaler.

Schreibe einen Kommentar