Dünnhäutiger Ballack nimmt den Kampf an

Dünnhäutiger Ballack nimmt den Kampf an
Dünnhäutiger Ballack nimmt den Kampf an
Michael Ballack (l) jubelt nach seinem Treffer mit Jens Jeremies.

Köln (dpa) – Nicht nur sein 15. Länderspiel-Treffer war ein Lichtblick. Michael Ballack präsentierte sich beim 3:0 gegen Belgien im Trikot der Fußball-Nationalmannschaft deutlich stärker als zuletzt beim FC Bayern München.

Er deutete an, dass er in den knapp zwei Monaten bis zur Europameisterschaft unbedingt die Kurve zurück zu alter Stärke kriegen will. «Vor allem in der zweiten Halbzeit hat er ein paar tolle Aktionen gehabt. Da konnten wir schon wieder den Michael Ballack erkennen, den wir sehen wollen. Er hat das Heft des Handelns in die Hand genommen», lobte Teamchef Rudi Völler.

Ballack selbst ließ die auf ihn wartenden Reporter eine Stunde nach dem Schlusspfiff einfach stehen und eilte wortlos aus den Katakomben des Kölners Stadions zum wartenden Kleinbus Richtung Flughafen. Die heftige Kritik der vergangenen Wochen hat Ballack dünnhäutig gemacht – und auch nach dem Belgien-Spiel wird sie nicht verstummen. Von Chef-Kritiker Günter Netzer gab es auch dieses Mal eine Breitseite, weil er ihn an dem messe, was er spielen kann. «Er muss ein strahlender Mittelpunkt sein.»

Das war der 27-Jährige nicht, aber eine Steigerung von null auf 100 war selbst gegen einen Sparringspartner wie Belgien auch nicht zu erwarten. Aber Ballack nahm die Zweikämpfe an, kämpfte sich so ins Spiel und erzwang am Ende förmlich sein Kopfballtor. Eine Wertung aber wollte Ballack auch am Tag danach nicht abgeben und verließ das Vereins-Gelände des FC Bayern nach dem Auslaufen am Donnerstag erneut wortlos. Dafür sprach sein Vereinscoach Ottmar Hitzfeld: «Ich freue mich für ihn. Er hat in den letzten zwei Spielen zwei Tore gemacht. Das wird ihm sicher Aufwind geben.»

Vor allem mit Dietmar Hamann als Partner im Mittelfeld könnte Ballack die Wende zum Guten gelingen. Erstmals nach 18 Monaten standen die Vize-Weltmeister in einem Länderspiel wieder zusammen auf dem Platz, und nach anfänglichen Abstimmungsproblemen steigerten sich beide kontinuierlich. «In der ersten Halbzeit war noch Sand im Getriebe. Aber Aufteilung und Abstimmung haben dann ganz gut geklappt nach so langer Zeit», kommentierte Hamann.

Mit dem Liverpooler als Ruhepol und Absicherung an seiner Seite, legte Ballack nach der Pause wieder merklich entschlossener den Vorwärtsgang ein. Er forderte den Ball und suchte den Weg zum Tor. Völler registrierte zufrieden, dass «meine wichtigsten Spieler» wieder zu einer wertvollen Achse im Zentrum der DFB-Elf werden könnten: «Ich freue mich nicht nur, dass beide ein Tor erzielt haben. Die Art und Weise ihres Zusammenspiels hat mich ein bisschen an Zeiten erinnert, wie sie bei der Weltmeisterschaft harmoniert hatten.»

«Ich glaube, der Michael Ballack bekommt eine dicke Haut, er hat zuletzt viel einstecken müssen. Er wird gestärkt aus dieser Situation hervor gehen», meinte Hitzfeld. Der Bayern-Trainer rät aber, dass sich Ballack der Situation offensiver stellt: «Wenn es schlecht läuft, muss man auch mit Kritik fertig werden, das gehört zu einem Star.»