Alarmstufe Rot in Bochum: Rückfall in alte Zeiten

Alarmstufe Rot in Bochum: Rückfall in alte Zeiten
Alarmstufe Rot in Bochum: Rückfall in alte Zeiten
Bochums Trainer Peter Neururer ärgert sich im Spiel gegen den Hamburger SV im Ruhrstadion.

Bochum (dpa) – Noch vor einem halben Jahr träumten sie von einer besseren Zukunft, nun bangen sie mal wieder um den Klassenverbleib. Beim VfL Bochum geht die Angst vor dem fünften Bundesliga-Abstieg um.

Nach dem 1:2 (0:2) gegen den Hamburger SV muss der Revier-Club im tiefsten Tabellenkeller überwintern. Angesichts des Rückfalls in längst überwundene geglaubte Zeiten kommt Spielmacher Dariusz Wosz das Ende der Hinrunde sehr gelegen: «Für uns ist die Winterpause das beste, was passieren konnte. Wir müssen schnell vergessen, was in den letzten Wochen passiert ist.»

Die anhaltende Talfahrt des Vorjahres-Fünften macht allen Beteiligten mächtig zu schaffen. Trainer Peter Neururer wirkte sichtlich mitgenommen, die Profis sind verunsichert und die Fans verstimmt. «Wir steigen auf, wir steigen ab – und zwischendurch UEFA- Cup», skandierten sie mit Galgenhumor im Anschluss an die vorentscheidenden Tore der Hamburger Sergej Barbarez (26.) und Collin Benjamin (34.). Der Anschlusstreffer von Tommy Bechmann (83.) sorgte im mit knapp 26 000 Zuschauern besetzten Ruhrstadion zwar für einen kurzen Stimmungsumschwung, kam aber zu spät.

Anders als viele Beobachter mag Neururer noch immer nicht glauben, dass aus dem vermeintlich aufstrebenden Club erneut ein echter Problemfall geworden ist. Woche für Woche stellt er sich all jenen entgegen, die seiner Mannschaft eine schwere Zukunft verheißen: «Natürlich wird es schwer, aber mit dem Abstieg werden wir nichts zu tun haben.» Noch kommt diese Botschaft in der Vereinsspitze an. Vorstandsmitglied Dieter Meinhold steht noch immer zu Neururer: «Er ist ein guter Fußball-Lehrer. Und wir wollen dafür sorgen, dass er in Zukunft wieder ein erfolgreicher Fußball-Lehrer sein wird.»

Ganz ohne Aberglaube kommt Neururer auch diesmal nicht aus. Erst wenn sein Team die Abstiegsplätze verlässt, will er sich seine wachsende Haarpracht stutzen lassen. Allzu lang wird das nach seiner Einschätzung nicht mehr dauern: «Ich gehe davon aus, dass ich Ende Februar zum Friseur gehen kann.»

Kommt sein Team über Weihnachten nicht zur Besinnung, droht Neururer ein Saisonende mit wallendem Haar. Nur in der zweiten Halbzeit stellte sein Team Bundesliga-Format unter Beweis. Schonungslos deckte der HSV die Schwächen in der VfL-Abwehr auf und fand nur eine Woche nach der Heimschlappe gegen Hannover 96 wieder auf den Erfolgskurs zurück. Voller Freude über den gelungenen Vorrunden-Abschluss bedankte sich Trainer Thomas Doll bei jedem Spieler für das große Engagement der vergangenen Wochen. «Jetzt können wir schön in die Winterpause gehen und das Ganze genießen», sagte der Erfolgscoach.

Längst ist der miserable Saisonstart mit dem zwischenzeitlichen Absturz auf den letzten Tabellenplatz vergessen. Unter der Regie von Doll hat sich in Hamburg ein Team mit Perspektive entwickelt. Sergej Barbarez kann den Rückrunden-Start kaum abwarten: «Wir liegen jetzt in Lauerstellung und wollen richtig angreifen.» Für den Torschützen war schon am Samstag Heiligabend. «Ich werde meiner Frau jetzt sagen, dass ich kein Geschenk mehr brauche. Das schönste haben wir uns heute selbst gemacht.»

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