17 Jahre, keck, und cool: Lena Oberdorf beeindruckt bei WM

17 Jahre, keck, und cool: Lena Oberdorf beeindruckt bei WM
Bildhinweis: Lena Oberdorf (r) beeindruckte bei ihrem WM-Debüt im Spiel gegen China. Foto: Sebastian Gollnow

Lille (dpa) – Lena Sophie Oberdorf muss sich manchmal kneifen. «Mein Glück ist, dass ich noch gar nicht realisiert habe, dass ich hier bei einer WM bin», sagt die Gymnasiastin aus Gevelsberg nach ihren ersten 45 Spielminuten bei der Fußball-WM in Frankreich.

Wenn sie einmal zur Ruhe kommt – wahrscheinlich Wochen nach der WM – wird ihr erst klar werden, was sie erlebt und geleistet hat. WM-Debüt mit 17 Jahren, fünf Monaten und 20 Tagen. Die zur zweiten Hälfte beim Auftakt gegen China (1:0) eingewechselte Oberdorf knackte schon in ihrem vierten Länderspiel eine DFB-Bestmarke. 52 Tage jünger war sie bei ihrem WM-Debüt als Rekordnationalspielerin Birgit Prinz (214 Länderspiele /128 Tore) bei ihrer Premiere am 5. Juni 1995 in Schweden gegen Japan. Seinerzeit wurde die Frankfurterin, die am Sonntag als Teampsychologin zur Mannschaft stieß, in der 65. Minute eingewechselt – für die jetzige Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

Oberdorf wuchs in Gevelsberg (Ennepe-Ruhr-Kreis), woher auch Spielführerin Alexandra Popp und Nationalspieler Lukas Klostermann stammen, in einer sportbegeisterten Familie auf. Die Mutter war Leichtathletin. Ihr Bruder Tim (22) unterschrieb vor wenigen Tagen einen Vertrag beim Bundesligisten Fortuna Düsseldorf, wo er für das Regionalligateam vorgesehen ist. Lena und Tim, der sie zum dritten Gruppenspiel in Montpellier besuchen will, kickten beide lange bei der TSG Sprockhövel. Auch ihre Schwester spielt Fußball.

«Wenn deine Eltern sportlich sind, kommst du daran gar nicht vorbei. Aber sie haben nie gesagt, du musst Fußball spielen», erzählt Oberdorf der Deutschen Presse-Agentur. «Mein Bruder und mein Papa haben zu Hause immer im Garten gezockt. Und dann kam ich halt: Ich will mitspielen, ich will mitspielen!» 

Erst im vergangenen Sommer wechselte Oberdorf, die bis zur B-Jugend in Jungsmannschaften spielte und sämtliche DFB-Nachwuchsteams durchlief, zum Bundesligisten SGS Essen. Schon in der ersten Saison gelang ihr der Durchbruch, dabei hatte sie nur auf ein paar Einsätze gehofft. «Durch die Verletzung von Linda Dallmann bin ich irgendwie in die Startelf gerutscht». In den bisher 16 Erstligaspielen schoss die Allrounderin neun Tore.

Eine Karriere wie im Rausch: Als sie im Januar unverhofft eine Einladung zum Trainingslager der Nationalmannschaft in Marbella bekam, war sie vollends baff. «Ich habe direkt meinem Papa Bescheid gesagt. Er hat sich auch riesig gefreut.» Anfang April feierte sie beim 2:1 in Schweden ihr Länderspieldebüt. In der ersten WM-Woche musste Oberdorf unter DFB-Aufsicht noch zwei Klausuren schreiben, Pädagogik und Sport-Leistungskurs. Was war schwerer, die Klausuren oder das Spiel gegen China? «Definitiv das Spiel», sagt sie lachend.

Ihre Essener Mitspielerin und DFB-Innenverteidigerin Marina Hegering (29) staunt immer wieder über den Shootingstar, der für sein Alter erstaunlich reif und abgeklärt wirkt, und dennoch bodenständig ist. «Lena ist bei uns in Essen mit 17 schon Leistungsträgerin. Das ist ja nicht selbstverständlich. Aber sie ist bereits eine Persönlichkeit auf dem Platz, hat Ausstrahlung und weiß sich gut zu verkaufen», lobt Hegering: «Von ihr wird man noch viel hören.»

Dass Voss-Tecklenburg den Teenager gegen China einwechselte, ihn auf die Schlüsselstelle auf der «Sechs» beorderte, weil der Zugriff fehlte, sagt alles über das Vertrauen, das man Oberdorf allenthalben entgegenbringt. «Wir brauchten mehr Stabilität und Zugriff in der Zentrale, Lena hat das überragend gemacht», lobt die Bundestrainerin.

Oberdorf geht unbekümmert, aber ehrgeizig und zielstrebig an ihre Aufgaben heran. «Als junge Spielerin hab ich doch keinen Druck. Also warte ich ab und versuche dem Team so gut es geht zu helfen. Wenn ich spiele, gebe ich immer mein Bestes. Ich will hier die Erfahrung mitnehmen und zu einer etablierten Spielerin heranwachsen.» Ihr großes Plus ist die Flexibilität, am liebsten spielt sie zentral. Ob hinten, im Mittelfeld oder weiter vorn. «Ich war sogar mal in der D-Jugend Torhüterin. Aber pssst, das bleibt unter uns», verrät sie.

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